Aero Autoproduktion                              Zur Begrüßungsseite
 

 

In diesem Umfeld entstand 1928 die Autoproduktion des Prager Flugzeugherstellers Aero.

 

 

Die Firma AERO wurde 1919 in Prag-Bubenec als Servicefirma für Flugzeuge gegründet. Der Betrieb wurde nach und nach zu einer Fertigungsanlage für komplette Flugzeuge erweitert. Da die Nachfrage nach den Anfang der zwanziger Jahre gebauten Kleinflugzeuge gering war, begannen die Aero-Werke mit der Lizenzproduktion von Seitenwagen für Motorräder und Weymann- Karosserien für Automobile.  
Auch aufgrund der veränderten politischen Lage nach dem ersten Weltkrieg musste zur Aufrechterhaltung des Betriebes nach neuen Geschäftsfeldern gesucht werden. Ähnlich wie die Flugzeugfabriken Voisin, Salmson, BMW und später Saab, Messerschmitt und Heinkel stellte man die Produktion auf Kleinwagen um. 

Als Konsequenz begann man bei Aero ab 1927/28 mit der Herstellung kleiner Automobile unter dem Namen ENKA, aus dem das erste Aero-Auto, der Roadster Aero 500 (A 10), motorisiert mit einem Zweitakt-Einzylindermotor mit 500 ccm und 10 PS, entwickelt wurde. Der erste Aero 10 verließ am 07. Mai 1929
die Werkstore der Firma Aero.

 

Ab 1931 fertigte Aero, nach Vorbild des kleinen DKW, einen Zweitakt-Zweizylindermotor mit 662 ccm der 18 PS leistete - daher auch die Bezeichnung Aero 662 (A 18) und baute diesen in eine verbesserte Karosserievariante des Aero 500 ein.

 

1933 folgte ein neuer Zweizylindermotor mit 998 ccm, der ca. 29 PS leistete. Dieses Aggregat wurde in den Aero 1000 (A 20) montiert.

 

Herausragend waren zu jener Zeit die sportlichen Erfolge dieser Fahrzeuge. Insbesondere die Leistungen des Werkfahrers Bohumil Turek trugen zur Popularität der Marke Aero bei. So legte Turek 1929 die Strecke Prag-Brest-Prag-Hamburg-Prag mit 4.913 km in 184 Stunden und 35 Minuten mit einem Aero 10 zurück und wurde Gesamtsieger. Diese damals außergewöhnliche Leistung vollbrachte er ohne jegliche Pannen in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,6 km/h. 1934 errang Turek bei der 13. Rallye Monte Carlo mit einem Aero 1000 den 3. Platz in der Klasse bis 1.500 ccm - nach so bekannten Marken wie Triumph und Riley.

 

Die kleinen Zweizylindermodelle mit Hinterradantrieb wurden bis 1934 produziert. Ab 1934 wurde eine neue, größere Modellreihe mit Frontantrieb, bestückt mit einem 998 ccm-Zweizylindermotor mit 30 PS, der Aero 30 (A 30) in Serie produziert.

 

Als letztes serienmäßig gefertigtes Aero-Fahrzeug wurde 1936 der Aero 50 (A 50) vorgestellt. Es war ein naher Verwandter des Aero 30, denn man hatte in den um 150 mm verlängerten Motorraum den doppelten Motor des Aero 30 eingebaut. Der neue Vierzylindermotor mit 1997 ccm Hubraum leistete rund 50 PS bei 3500 U/min.

 

 

Leider wurde die Firma Aero nach dem Zweiten Weltkrieg von den kommunistischen Machthabern zerschlagen. 1946 wurde der  Firmeninhaber Dr. Kabes enteignet und musste als so genannter Kapitalist das Land verlassen. Im Zuge der Einführung der Planwirtschaft wurde die tschechische Industrie neu geordnet. Dies führte zur Einstellung des Aero-Automobilbau. Insgesamt wurden rund 13.000 Autos gebaut. Nur der Aero-Flugzeugbau wurde aufrecht erhalten und wird auch heute noch erfolgreich betrieben (Aero-Flugzeugbau siehe www.aero.cz).

 

Interessanter Hinweis:

Aus einer Statistik über die "Verteilung der Kraftfahrzeuge in Europa 1936" geht hervor, dass in der damaligen Tschechoslowakische Republik (ČSR) 77.569 Personenkraftwagen und ca. 50.000 Motorräder existierten. 

Im Vergleich dazu produzierte die Firma Aero bis 1936  4.214 Fahrzeuge mit Heckantrieb und 2.825 Fahrzeuge mit Frontantrieb. Das ist ein Anteil von fast 10% am damaligen Personenwagenbestand. 

In Deutschland fuhren 1936 doppelt soviel Motorräder als Pkw's und gegenüber der CSR gab es 12x mehr Pkw's und 24x mehr Motorräder. 

 

 

Hintergrundinformationen und Überlegungen zur Autoproduktion (Beitrag von Reinhard Bauer)

Es ist Faktum, dass Aero im Jahr 1934 den Umstieg vom bewährten Hinterradantrieb auf den damals noch komplett neuen Frontantrieb wagte. Man fragt sich, warum Aero  dieses Risiko einging.

Zur Erläuterung:
Das erste Frontantriebsauto wurde 1898 von Gräf & Stift in Wien gebaut (steht im technischen Museum Wien). Die Technik war aber nicht serienreif, da man lange keine Gelenklösung hatte, mit der die Funktionen „Antreiben“ und „Lenken“ kombiniert werden konnten. Diese Art von Gelenken wurde erst nach 1926 vom französischen PKW-Hersteller Tracta gelöst, der dann Lizenzen vergab.

Die ersten Serienautos mit Frontantrieb waren der DKW F1-600 ab 1931 und der Adler Trumpf ab 1932. In der Tschechoslowakei nahm die Firma. Cechoslovenská Zbrojovka a.s./Brünn eine Lizenz und stellte ab 1933 das erste Auto mit Frontantrieb her, den Z 4 – Serie 1.

 

Übrigens: 
Die Technik des in der K&K Monarchie größten Gewehrherstellers dürfte damals sehr hohes Niveau gehabt haben – auch, nachdem man sich nach anderen Produkten zur Auslastung der vorhandenen Kapazitäten umsehen musste, z.B. Werkzeugmaschinen, Druckmaschinen, Industriewaagen, Pressen, Fahrräder, Flugzeugmotoren usw. - und ab 1923 Autos.

Bei den Motoren hat Zbrojavka von Beginn an auf 2-Takt-Motoren gesetzt, die man bis auf Grand Prix Niveau weiterentwickelt hat. 1931 brachte es der Z 14 mit dem 4+4 Zylinder Rennmotor (Doppelkolben-Prinzp) mit Roots-Kompressor bei 1444 cm3 auf stolze 105 PS !!!

Da die Firma Zbrojavka bereits seit 1923 Autos produzierte (Aero erst ab 1929) und da man über die Flugzeugmotorenfertigung Kontakt gehabt haben dürfte, scheint sie eine gewisse „Vorbildwirkung“ für Aero gehabt haben. Wie wäre es sonst erklärbar, dass der 1934 eingeführte Aero 30 in wesentlichen Konstruktionsdetails dem Z4 sehr weitgehend entspricht. Der 2-Zylinder 2-Takt-Motor hat beim Z 4 905 cm3 und liegt hinter dem Getriebe. Das Differenzial liegt ganz vorne. Geschaltet wird genau so mit dem Krückstock (siehe Motoransicht). Aero wollte mit dem Kopieren des Antriebskonzepts von Z auf den vermeintlichen Zug in die Moderne aufspringen und hat deshalb das Hinterradkonzept hinter sich gelassen, ohne aber den Erfolg der Auto Union wiederholen zu können.

Ist schon interessant, wie alles irgendwie zusammenspielt.

Reinhard Bauer

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