Aero Minor    Nach der Verstaatlichung der Firma Aero          Zurück
 
- Einordnung der Minor-Modelle
Der "Aero Minor" ist keine Aero-, sondern eine JAWA-Konstruktion. 
Auch
mit dem Wort "Aero" in Verbindung mit "Minor" besteht kein Zusammenhang zu den Aero-Fahrzeugen der Vorkriegszeit. Das hier verwendete Wort "Aero" leitet sich von der Herkunft der verwendeten Fahrzeugkomponenten aus den Flugzeugwerken Walter/Prag-Jinonice  (nach der Verstaatlichung Autolet) und Letov / Letňany (nach der Verstaatlichung „Rudy Letov) ab.

Die Aero Flugzeugwerke wurden unter Präsident Benes auf Anordnung des Industrieministeriums vom 27.12.1945 verstaatlicht. Dr. Kabes Senior und Junior mussten das Unternehmen verlassen. Eine neue Unternehmensleitung wurde bestellt. Sie musste die Pläne des Industrieministeriums zur Organisation der Nachkriegswirtschaft umsetzen. Insgesamt musste von Kriegs- auf  Friedenswirtschaft umgestellt werden. Für Aero bedeutete dies den Wiederaufbau der teilzerstörten Flugzeugfabrik und die Einstellung der Automobilfertigung. Lediglich einige hundert Stück Aero 30 wurden noch aus vorhandenen Teilerestbeständen zusammengebaut. Parallel dazu bekam Aero zur Arbeitsbeschaffung die Montage eines von Skoda entwickelten Leicht-Lastwagens zugewiesen. Der Lastwagen wurde als Aero 150 zwei Jahre lang gebaut, bis er an Praga abgegeben werden musste, wo er in etwas modernisierter Form als Praga 150 weiter produziert wurde. Die noch während des Kriegs von Aero entwickelten Automodelle für die Nachkriegszeit - Aero Pony und Aero Rekord - wurden nicht mehr in Produktion gebracht. Nicht zuletzt offensichtlich deshalb, weil die Nachkriegszeit nach einfachen, robusten und preiswerten „Volkswagen“ verlangte. Die Aero Fahrzeuge folgten aber dem Aero-Qualitätsanspruch nach gehobener Fortbewegung und wurden offensichtlich als zuwenig zeitgemäß und zu teuer in der Produktion angesehen. 

Dem gegenüber stand ein Wettbewerbsprojekt von JAWA, das der Forderung nach einem Volkswagen mehr entsprach.

 
- Nachkriegsmodelle

Trotz der Einstellung der Aero-PKW-Produktion taucht der Name „Aero“ nach dem Krieg als Markenname für ein Automobil auf, und zwar als „Aero Minor“. Dabei handelt es sich um einen Kleinwagen, der ursprünglich vom Unternehmen Jawa noch während der Kriegszeit als JAWA Minor II entwickelt wurde. Ebenso wie der Aero Pony verfügt er über einen Zweizylinder-Zweitaktmotor, der, anders als beim Pony, die Vorderräder antrieb und über eine stromlinienförmige Ganzmetall-Limousinenkarosserie verfügte.


Jawa Minor II Prototyp von 1944 – von JAWA unter der Führung von Ing. Vykoukal noch während des Kriegs entwickelt und erprobt.

Die technischen Daten: Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder-Zweitaktmotor, 616 cm³, 15 kW (20 PS), längs vor der Vorderradachse, 4-Gang-Getriebe, Frontantrieb, Leermasse 700 kg, max. 90 − 100 km/h

Der JAWA Minor II führt nicht nur die eigene Modelltradition an Zweitakt-Vorderrad-Fahrzeugen nach dem Vorbild von DKW weiter, sondern er ist in vielen Details dem nur von 1935 bis 1936 produzierten Kleinwagen Z-6 „Hurvinek“ der Cechoslovenska Zbrojovka a.s. / Brno ähnlich – nicht zuletzt auch deshalb, weil der JAWA-Chefkonstrukteur Ing. Rudolf Vykoukal vor JAWA u. a. auch bei Z als Konstrukteur sowohl den Zweitaktmotor, als auch den Vorderradantrieb kennen gelernt hatte.


Z-6 Hurvinek, produziert von 1935 – 1936 in nur 500 Stück produziert

Die technischen Daten: Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder, 736 cm³, 14 kW (19 PS), längs hinter der Vorderradachse, 4-Gang-Getriebe, Frontantrieb, Leermasse 760 kg, max. 90 − 100 km/h

Zum Vergleich:
Der Aero Pony war als 2-sitziges Kabriolett konzipiert. Eine 4-5-sitzige Limousine hätte erst noch entwickelt werden müssen.


Aero Pony Prototyp von 1941

Die technischen Daten: Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder-Zweitaktmotor, 745,5 cm³, 15,5 kW (21 PS), längs hinter der Vorderradachse eingebaut, 4-Gang-Getriebe, Hinterradantrieb, Leermasse 590 kg, max. 100 − 120 km/h

Der JAWA Minor II wurde ab 1946 als "Aero Minor" verkauft. Doch der Name „Aero“ steht in diesem Fall in keinem Zusammenhang mit den Aero-Automobilen der Vorkriegszeit. Vielmehr ist die Namensgebung ein Spiegel der Nachkriegsordnung in der tschechoslowakischen Industrie, die erst mühsam von Kriegs- auf Friedenswirtschaft umgestellt werden musste und sich darüber hinaus noch in die damals neu eingeführte sozialistische Planwirtschaft einfügen musste.

JAWA hatte den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden und konnte noch 1945 mit der Montage von Motorrädern und Automobilen aus Vorkriegs-Teilebeständen in Produktion gehen. Parallel dazu bereitete man die Serienfertigung von neuen Modellen vor, die während des Kriegs im Verborgenen entwickelt worden waren. Die Fahrzeugproduktion startete im JAWA-Hauptwerk in Prag-Nusle (Motor+Montage). Die Karosserien sollte aus dem eigenen Karosseriewerk in Kvasiny/ Ostböhmen kommen.

Doch im Dezember 1945 wurde nicht nur Aero verstaatlicht und die PKW-Fertigung gestoppt, sondern auch das JAWA Karosseriewerk Kvasiny an Skoda zugeteilt. Damit musste die JAWA-Produktion auslaufen. Skoda begann unverzüglich, eine eigene Fertigung einzurichten. In Folge wurden dort der Skoda Superb, sowie eine ganze Reihe von Skoda-Modellen montiert. Das Werk gehört noch heute zur Skoda-Gruppe und produziert die Skoda-Modelle Fabia und Roomster. 

Die Abtrennung des Werks Kvasiny bedeutete das Ende der JAWA-Automobilproduktion, nicht jedoch das Ende des JAWA Minor II. Da er durch sein zeitgemäßes Fahrzeugkonzept und die vergleichsweise günstigen Fertigungskosten offensichtlich gut in die Zeit passte, sollte er weiter produziert werden. Und die Produktion sollte zur Auslastung der Fertigungskapazitäten der an Auftragsmangel leidenden Flugmotorenfabrik Walter in Prag-Jinonice (nach der Verstaatlichung Motorlet) und des Flugzeugwerks Letov (nach der Verstaatlichung „Rudý Letov“) in Prag-Letňany eingesetzt werden. In Folge kamen die Motoren und Komponenten von Motorlet und die Karosserien inklusive Montage von Rudý Letov.

Im Zuge der Ereignisse hatte der JAWA Minor II seinen „Familiennamen“ JAWA verloren hatte, weshalb ein neuer gesucht werden musste. In Anspielung auf die Herkunft aus den beiden Flugzeugwerken war dies der Name „Aero“, ohne dabei aber Markenrechte oder den bekannten Aero-Logo-Schriftzug zu übernehmen. Die Rechte dafür blieben im Besitz des Aero-Flugzeugwerks. Das Aero-Logo wird in modernisierter Form von den Aero-Flugzeugwerken in Prag-Vochody bis heute zur ihre Produkte verwendet.

Zur Kennzeichnung des Fahrzeuges wurde aus dem JAWA-Logo das „Minor“-Logo entwickelt. Auf ein „Aero“-Logo wurde auf dem Fahrzeug verzichtet.  

 


 Foto: auta5p

Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder-Zweitaktmotor, 616 cm³, 15 kW (20 PS), längs vor der Vorderradachse, 4-Gang-Getriebe, Frontantrieb

Foto: Martin Hlaváček – Rokycany-Borek

 

Ganz anders als beim Aero Pony, der über Hinterradantrieb verfügt, ist die Antriebseinheit des Aero Minor mit einem Vorderradantrieb versehen.


Foto: auta5p

 
Die Antriebseinheit der Aero Minor ist kompakt vor der Vorderachse eingebaut

Neben der zweitürigen Limousine wurden ein Kombi (auf Wunsch auch in der so genannten „Normandie-Ausführung“ mit Holzverkleidung) und ein zweisitziges Kabriolet (mit Karosserie von Sodomka) hergestellt. Zudem gab es durchaus erfolgreich eingesetzte Rallye- und Rennversionen.  


Minor Kabriolett mit Sodomka Karosserie

Ein großer Anteil der Produktion wurde exportiert, hauptsächlich nach Österreich, Schweiz, die Benelux-Länder und nach Schweden, darüber hinaus nach Uruguay, Brasilien, Ägypten und nach Siam (Thailand). Es gab auch eine große Nachfrage nach Chassis, die die Kunden mit Karosserien nach eigenem Wunsch versehen ließen.  

Ab 1948 wurde nur noch der Markenname „Minor“ verwendet.  

Die Minor Produktion lief bis 1951 – und sie kam auch dann nicht zu einem Ende, denn sie diente als Basis für die polnischen Syrena-Automobile, die sie mit unterschiedlichen Karosserien kombinierten, jedoch das Minor-Chassis weiter verwendeten. 1951 wurde der von Ing. Vykoukal entwickelte Minor III  als Prototyp, eine rundum erneuerte Version mit 651 ccm Motor und moderner Ponton-Karosserie, vorgestellt, ging jedoch letztendlich nicht mehr in Produktion. Die Produktionsflächen wurden wieder für die Flugzeugfertigung benötigt.


Minor III Prototyp von 1951

Vom “Aero Minor” bzw. Minor, eigentlich aber vom „JAWA Minor II“ liefen zwischen 1946 und 1951 insgesamt 14 187 Stück vom Band. Dies entspricht damit fast exakt der Gesamtzahl aller Aero-Automobile, die zwischen 1929 und 1947 produziert wurden.

Beitrag verfasst von Reinhard Bauer (31.01.2011)

 

Umfassende Informationen zum Thema Minor siehe hier!

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