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Trotz
der Einstellung der Aero-PKW-Produktion taucht der Name „Aero“
nach dem Krieg als Markenname für ein Automobil auf, und zwar
als „Aero Minor“. Dabei handelt es sich um einen Kleinwagen,
der ursprünglich vom Unternehmen Jawa noch während der
Kriegszeit als JAWA Minor
II entwickelt wurde. Ebenso wie der Aero Pony verfügt er über
einen Zweizylinder-Zweitaktmotor, der, anders als beim Pony, die
Vorderräder antrieb und über eine stromlinienförmige
Ganzmetall-Limousinenkarosserie verfügte.

Jawa Minor II Prototyp von 1944 – von JAWA unter der Führung
von Ing. Vykoukal noch während des Kriegs entwickelt und
erprobt.
Die
technischen Daten:
Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder-Zweitaktmotor, 616 cm³, 15 kW (20 PS),
längs vor der Vorderradachse, 4-Gang-Getriebe, Frontantrieb,
Leermasse 700 kg, max. 90 − 100 km/h
Der JAWA
Minor II führt nicht nur die eigene Modelltradition an
Zweitakt-Vorderrad-Fahrzeugen nach dem Vorbild von DKW weiter,
sondern er ist in vielen Details dem nur von 1935 bis 1936
produzierten Kleinwagen Z-6 „Hurvinek“ der Cechoslovenska
Zbrojovka a.s. / Brno ähnlich – nicht zuletzt auch deshalb,
weil der JAWA-Chefkonstrukteur Ing. Rudolf Vykoukal vor JAWA u.
a. auch bei Z als Konstrukteur sowohl den Zweitaktmotor, als
auch den Vorderradantrieb kennen gelernt hatte.

Z-6 Hurvinek, produziert von 1935 – 1936 in nur 500 Stück
produziert
Die
technischen Daten:
Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder, 736 cm³, 14 kW (19
PS), längs hinter der Vorderradachse, 4-Gang-Getriebe,
Frontantrieb, Leermasse 760 kg, max. 90 − 100 km/h
Zum
Vergleich:
Der Aero Pony war als 2-sitziges Kabriolett konzipiert. Eine
4-5-sitzige Limousine hätte erst noch entwickelt werden müssen.

Aero Pony Prototyp von 1941
Die
technischen Daten:
Wassergekühlter Reihen-2-Zylinder-Zweitaktmotor, 745,5 cm³,
15,5 kW (21 PS), längs hinter der Vorderradachse eingebaut,
4-Gang-Getriebe, Hinterradantrieb, Leermasse 590 kg, max. 100
− 120 km/h
Der
JAWA Minor II wurde ab 1946 als "Aero Minor" verkauft. Doch der
Name „Aero“ steht in diesem Fall in keinem Zusammenhang mit
den Aero-Automobilen der Vorkriegszeit. Vielmehr ist die
Namensgebung ein Spiegel der Nachkriegsordnung in der
tschechoslowakischen Industrie, die erst mühsam von Kriegs- auf
Friedenswirtschaft umgestellt werden musste und sich darüber
hinaus noch in die damals neu eingeführte sozialistische
Planwirtschaft einfügen musste.
JAWA
hatte den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden und konnte
noch 1945 mit der Montage von Motorrädern und Automobilen aus
Vorkriegs-Teilebeständen in Produktion gehen. Parallel dazu
bereitete man die Serienfertigung von neuen Modellen vor, die während
des Kriegs im Verborgenen entwickelt worden waren. Die
Fahrzeugproduktion startete im JAWA-Hauptwerk in Prag-Nusle (Motor+Montage).
Die Karosserien sollte aus dem eigenen Karosseriewerk in Kvasiny/
Ostböhmen kommen.
Doch
im Dezember 1945 wurde nicht nur Aero verstaatlicht und die
PKW-Fertigung gestoppt, sondern auch das JAWA Karosseriewerk
Kvasiny an Skoda zugeteilt. Damit musste die JAWA-Produktion
auslaufen. Skoda begann unverzüglich, eine eigene Fertigung
einzurichten. In Folge wurden dort der Skoda Superb, sowie eine
ganze Reihe von Skoda-Modellen montiert. Das Werk gehört noch
heute zur Skoda-Gruppe und produziert die Skoda-Modelle Fabia
und Roomster.
Die
Abtrennung des Werks Kvasiny bedeutete das Ende der
JAWA-Automobilproduktion, nicht jedoch das Ende des JAWA Minor
II. Da er durch sein zeitgemäßes Fahrzeugkonzept und die
vergleichsweise günstigen Fertigungskosten offensichtlich gut
in die Zeit passte, sollte er weiter produziert werden. Und die
Produktion sollte zur Auslastung der Fertigungskapazitäten der
an Auftragsmangel leidenden Flugmotorenfabrik Walter in
Prag-Jinonice (nach der Verstaatlichung Motorlet) und des
Flugzeugwerks Letov (nach der Verstaatlichung „Rudý Letov“)
in Prag-Letňany eingesetzt werden. In Folge kamen die
Motoren und Komponenten von Motorlet und die Karosserien
inklusive Montage von Rudý Letov.
Im
Zuge der Ereignisse hatte der JAWA Minor II seinen
„Familiennamen“ JAWA verloren hatte, weshalb ein neuer
gesucht werden musste. In Anspielung auf die Herkunft aus den
beiden Flugzeugwerken war dies der Name „Aero“, ohne dabei
aber Markenrechte oder den bekannten Aero-Logo-Schriftzug zu übernehmen.
Die Rechte dafür blieben im Besitz des Aero-Flugzeugwerks. Das
Aero-Logo wird in modernisierter Form von den
Aero-Flugzeugwerken in Prag-Vochody bis heute zur ihre Produkte
verwendet.
Zur
Kennzeichnung des Fahrzeuges wurde aus dem JAWA-Logo das „Minor“-Logo
entwickelt. Auf ein „Aero“-Logo wurde auf dem Fahrzeug
verzichtet.

Foto:
auta5p
Wassergekühlter
Reihen-2-Zylinder-Zweitaktmotor, 616 cm³, 15 kW (20 PS), längs
vor der Vorderradachse, 4-Gang-Getriebe, Frontantrieb

Foto: Martin Hlaváček – Rokycany-Borek
Ganz
anders als beim Aero Pony, der über Hinterradantrieb verfügt,
ist die Antriebseinheit des Aero Minor mit einem
Vorderradantrieb versehen.

Foto: auta5p
Die
Antriebseinheit der Aero Minor ist kompakt vor der Vorderachse
eingebaut
Neben der zweitürigen Limousine wurden ein Kombi (auf Wunsch auch
in der so genannten „Normandie-Ausführung“ mit
Holzverkleidung) und ein zweisitziges Kabriolet (mit Karosserie
von Sodomka) hergestellt. Zudem gab es durchaus erfolgreich
eingesetzte Rallye- und Rennversionen.

Minor Kabriolett mit Sodomka Karosserie
Ein großer
Anteil der Produktion wurde exportiert, hauptsächlich nach Österreich,
Schweiz, die Benelux-Länder und nach Schweden, darüber hinaus
nach Uruguay, Brasilien, Ägypten und nach Siam (Thailand). Es
gab auch eine große Nachfrage nach Chassis, die die Kunden mit
Karosserien nach eigenem Wunsch versehen ließen.
Ab 1948
wurde nur noch der Markenname „Minor“ verwendet.
Die
Minor Produktion lief bis 1951 – und sie kam auch dann nicht
zu einem Ende, denn sie diente als Basis für die polnischen
Syrena-Automobile, die sie mit unterschiedlichen Karosserien
kombinierten, jedoch das Minor-Chassis weiter verwendeten. 1951
wurde der von Ing. Vykoukal entwickelte Minor III
als Prototyp, eine rundum erneuerte Version mit 651 ccm
Motor und moderner Ponton-Karosserie, vorgestellt, ging jedoch
letztendlich nicht mehr in Produktion. Die Produktionsflächen
wurden wieder für die Flugzeugfertigung benötigt.

Minor III Prototyp von 1951
Vom “Aero
Minor” bzw. Minor, eigentlich aber vom „JAWA Minor II“
liefen zwischen 1946 und 1951 insgesamt 14 187 Stück vom Band.
Dies entspricht damit fast exakt der Gesamtzahl aller
Aero-Automobile, die zwischen 1929 und 1947 produziert wurden.
Beitrag verfasst von Reinhard Bauer (31.01.2011) |