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- Militärausführung

Aero Fahrzeuge beim tschechoslowakischen Militär und im 2. Weltkrieg

Die Automobile aller tschechoslowakischen Automobilhersteller wurden natürlich auch vom Militär eingesetzt, zuerst von der Österreich-Ungarischen Armee, dann vom tschechoslowakischen Militär und in Folge auch von der Deutschen Wehrmacht.

Die um 1900 gegründeten Unternehmen Nesselsdorfer Werke, Praga und Laurin&Klement lieferten bereits vor dem 1. Weltkrieg an das österreich-ungarische Kriegsministerium. Viele dieser Fahrzeuge wurden dann von den Nachfolgestaaten übernommen, so auch von der neu gegründeten Tschechoslowakei. Aus den Nesselsdorfer Werken waren ab 1923 nach Übernahme in den Ringhoffer-Konzern die Tatra Werke geworden,  Laurin&Klement wurde 1925 von Skoda übernommen, wodurch der Markenname verschwand. Beide Unternehmen sollten in Folge zu wichtigen Lieferanten von Militärgerät werden. Und es kamen weitere Lieferanten dazu. Die ebenfalls noch vor dem ersten Weltkrieg gegründete  Firma Walter war in der Zwischenkriegszeit ein geschätzter Lieferant von Flugmotoren, später auch von leichten Lastwagen, die auch vom Militär genutzt wurden. Ab 1922 produzierte auch der Landmaschinenhersteller Wikov Automobile, ab 1933 leichte Lastwagen mit 1,5 Tonnen Nutzlast, die in größeren Stückzahlen an die tschechoslowakische Armee gingen.

In diesem Umfeld bemühte sich ab 1935 auch das als Automobilhersteller relativ junge Untenehmen Aero um Militäraufträge. Mit dem 1934 vorgestellten Aero 30, der in zahlreichen Motorsportbewerben seine Leistungsfähigkeit bewiesen hatte, glaubte man, gut gerüstet zu sein. Tatsächlich konnte man 1936 eine erste Ausschreibung gewinnen. In der Folge wurde eine größere Anzahl (ca. 226 Stück) von viersitzigen A 30 Sportwagen in speziell adaptierter Ausführung beim tschechoslowakischen Militär eingesetzt. Erkennbar ist die Militärausführung an den Radbefestigungen mit vier Radbolzen (Zivilversion hat fünf Radbolzen!) und den beiden Ersatzrädern am Heck. Ebenso wurden Versionen identifiziert, die mit einer Wasserpumpe im Kühlkreislauf ausgerüstet waren, um die Überhitzungsprobleme bei langsamer Kolonnenfahrt zu mildern.


5 Exemplare Aero 30 Sport und 10 Stück Aero 662 oder 1000 wurden bereits 1935 (nach Informationen aus dem Aerovkar 3/2010) an die Militärverwaltung geliefert.

 
Eine größere Anzahl (ca. 226 Stück) von A 30 Sportwagen und Kabriolimousinen in speziell adaptierter Ausführung wurden beim tschechoslowakischen Militär ab 1936 eingesetzt.

 

Zusätzlich wurden zwischen 1939 und 1940 einige Aero 50 Luxus-Kabrioletts mit Sodomka-Karosserie als Stabsfahrzeuge für die Generalität des nun unter deutscher Führung stehenden Militärs geliefert. 
(Aero-Serie 31, 37, 41, 43 / 1939 = A 50-Serie 8, 10, 11, 12)


Aero 50 Kabrioletts (4-sitzig, Modell 1939) für die deutsche Heeresleitung

Ab der Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutsche Armee wurden keine weiteren Truppenfahrzeuge mehr bei Aero bestellt. Aero bekam im Krieg andere Aufgaben, vor allem die Steigerung der Flugzeugproduktion.

Die Aero 30 der tschechoslowakischen Armee wurden in die deutschen Heeresverbände eingegliedert. So gibt es Belege, dass sie beim Polenfeldzug eingesetzt wurden.

Mit Fortdauer des Krieges, ganz besonders nach dem ersten Kriegswinter in Russland requirierte die Deutsche Wehrmacht immer mehr Fahrzeuge von Zivilpersonen, um die entstandenen Fehlbestände aufzufüllen. Darunter waren auch zahlreiche Aeros. Die nachstehenden Fotos zeigen requirierte Fahrzeuge, die mit dem Kennzeichen der Wehrmacht (WH) versehen sind.  

 

Die folgenden 6 Fotos wurden uns freundlicherweise aus der Sammlung von Herrn Holger Erdmann (www.kfzderwehrmacht.de) zur Verfügung gestellt:

 


Aero 30 Sport (Baujahr 1936-38) aus Beständen der tschechoslowakischen Armee beim Polenfeldzug


Aero 30 Sport, Baujahr 1936/38 


Requirierte Aero 30 (Baujahr 1936-38) Kabriolimousine mit Wehrmachtskennzeichnung


Aero 30 Roadster (oder Sportwagen), Modell 1938/39


Es wurden aber auch ältere Fahrzeuge requiriert, wie z.B. die Aero 662 Limousine, die bei einer Pioniereinheit benützt wurde.


Aero 662 Limousine, Baujahr 1933-34

Weitere Informationen über Fahrzeuge im Dienst der Deutsche Wehrmacht sind auf der Website von Holger Erdmann zu finden: http://www.kfzderwehrmacht.de/Hauptseite_deutsch/Kraftfahrzeuge/Tschechoslowakei/tschechoslowakei.html 

 

Die folgenden Fotos hat uns freundlicherweise Bernd Rohde zur Verfügung gestellt. Die Aufnahmen stammen von seinem Vater und zeigen einen durch die deutsche Wehrmacht beschlagnahmten Aero 30 Sport beim Rallye-Einsatz von der deutsche Wehrmacht in Ungarn und Sarajewo.

 
Ungarn: Aero 30 Sport wird startfertig gemacht

Die folgenden Aufnahmen wurden bei einer Rallye 1937 in den Bergen um Sarajewo gemacht.

Notizen von Karl-Wilhelm Rohde:
Burkhard's und meine Fahrt am vorigen Sonntag endete im Schnee, hier bahnen wir uns einen Weg auf der schmalen Strecke, mussten auf 1.500 m aber doch wegen vollkommener Verwehung umkehren.

 

Bemerken Sie einzigartige Kleinigkeiten am Militär-Aero: 

Blinker Avion, hochgelegene Stossstange, Platzierung der Hupe. 

Das Foto stammt aus dem Jahr 1938, wo das Armeekommando auf die Henlein-Unruhen reagierte. Am 11. September wurde um 15 Uhr aus Milovice ein Instruktionsbataillon, Teil der motormechanisierter Brigade abgesandt, und zwar zu Hilfe dem SOS-Bataillon in Falknov. Er ist um 23.30 Uhr in Karlsbad angekommen. Auf dem Foto sehen Sie die Angehörigen des Instruktionsbataillons mit dem Lastwagen Praga RV und dem Stabswagen Aero  30.                                                                                                                                                      Foto und Text von Petr Klusák

Redaktion: entnommen aus Aerovkar 2/2011

 

Anmerkung von Herrn Slaby:
Nach Ansicht von Herrn Tomas Slaby wurden während des politischen Systems in der Nachkriegszeit alle Armee- und Polizeiwagen verschrottet, sodass keiner erhalten blieb. 

Anmerkung der Redaktion hierzu:
Die Ansicht von Herrn Tomas Slaby wird von der Redaktion nicht geteilt, hierfür gibt es auch keinen Beleg. Es ist doch vielmehr anzunehmen, dass in solchen Zeiten großer Not nach dem Krieg jedes Auto wertvoll war und nicht sinnlos verschrottet wurde. Eher ist anzunehmen, dass jedes überlebende Fahrzeug weiter genutzt wurde. Die Leute hatten ja anfangs nichts anderes, also wurden diese Fahrzeuge irgendwann restauriert und umlackiert.

So sind der Redaktion bereits zwei Aero 30 Sport bekannt, die als sog. Militärfahrzeuge produziert wurden. Die Produktionsnummern liegen in der Produktionscharge von 7701 bis 7800 (siehe unten).

 

Aero 30 Sport in Militärausführung:
Auf den folgenden Fotos erkennt man, dass für das Militär Aero 30 Sport mit 4-Lochfelgen ausgestattet waren und 2 Ersatzreifen hatte. Normalerweise wurden diese A30 Sport mit 5-Lochfelgen und einem Ersatzrad ausgeliefert. Eine weitere Besonderheit der Militärausführung ist das Kühlsystem, das mit einer Wasserpumpe und einem Ventilator ausgestattet war, die über einen Keilriemen angetrieben wurden. Ein weiteres Indiz für eine Militärausstattung sind die Scheibenfelgen, die 1936 bereits durch Lochfelgen an den zivilen Aeros ersetzt wurden.



Ein weiteres Merkmal findet man ggf. am Armaturenbrett: Hinweistafeln für die Gangschaltung und für die Funktion des Benzinhahns.

 

Wer hat weitere Informationen, wie viele Fahrzeuge eingezogen und wie viele für den Militärbereich gebaut wurden? 
Wo wurden sie eingesetzt? Wer hat weitere Fotos?

Informationen und Hinweise werden gerne entgegengenommen: 

Telefon:   00 49/ (0) 931 /   4 98 44
Fax:         00 49/ (0) 931 / 40 00 47
E-Mail: post@aero-ig.de

 

Geschichtlicher Hintergrund aus Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Tschechien) entnommen:

Von 1918 bis 1938 bestand die sogenannte Erste Tschechoslowakische Republik.

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Es gab in der Tschechoslowakei eine starke deutsche Minderheit, die im Sudetenland die Mehrheit bildete. Bei der Volkszählung im Jahre 1930 betrug der Bevölkerungsanteil auf dem Gesamtgebiet der heutigen Tschechischen Republik 29,5%[16]. Die Deutschen in der Tschechoslowakei waren seit 1919 durch die Deutsche Nationalpartei vertreten. Die deutschen Sozialdemokraten waren von 1920 bis 1935 die stärkste deutsche Fraktion im Prager Abgeordnetenhaus und wurden ab 1929 mit ihrem Vorsitzenden Ludwig Czech, der verschiedene Ministerposten bekleidete, auch Regierungspartei. 1933 gründete Konrad Henlein die Sudetendeutsche Partei (SdP). Mit deutscher Unterstützung forderte die SdP immer weitergehende Autonomie und Abtrennung des deutschsprachigen Landesteils von der Tschechoslowakei und verschärfte mit dem Karlsbader Programm vom 24. April 1938 die Sudetenkrise.

Nach der Annexion Österreichs drohte Hitler mit dem Einmarsch in das Sudetenland. England und Frankreich hatten als Schutzmächte nach dem Vertrag von Saint Germain Schutzpflichten gegenüber der Tschechoslowakei; außerdem gab es noch zusätzliche Bündnisverträge Frankreichs und der Sowjetunion mit der ČSR. Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens waren der Auffassung, durch Nachgeben („Appeasement-Politik“) einen drohenden Weltkrieg verhindern zu können. Ohne die Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung unterzeichneten Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier am 29. September 1938 das Münchner Abkommen, nach dem die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtreten sollte. Die Tschechen nennen diese Vereinbarung das „Münchner Diktat“ oder den „Münchner Verrat“. Etwa ein Drittel des Staatsgebietes fiel damit an das Deutsche Reich.

Am 5. Oktober 1938 trat Präsident Edvard Beneš zurück und ging ins Exil nach Großbritannien. Sein Nachfolger wurde Emil Hácha. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen am 15. März 1939 in die „Resttschechei“ wurde das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren gegründet. Die Erste Slowakische Republik wurde ein Satellitenstaat des Deutschen Reiches. Am 27. September 1941 folgte auf den dauerhaft beurlaubten Statthalter Neurath als neuer Reichsprotektor Heydrich. Am 27. Mai 1942 wurde auf Heydrich ein Attentat verübt, an dessen Folgen er am 4. Juni 1942 starb. Als Vergeltungsmaßnahmen wurden unter anderem die Bewohner der Dörfer Lidice und Ležáky umgebracht. Während der deutschen Besetzung befanden sich auf tschechischem Boden das KZ Theresienstadt sowie mehrere Außenlager des KZ Flossenbürg, darunter die „Richard“-Gruben. 1945 fand die faktische Wiederherstellung der Tschechoslowakei durch das „Kaschauer Programm“ der neuen Regierung unter Premierminister Zdeněk Fierlinger statt. US-amerikanische, sowjetische und tschechoslowakische Truppen befreiten das Land. Die in der Erklärung von Jalta vereinbarte Demarkationslinie zwischen dem von den USA und dem von der UdSSR verwalteten Gebiet verlief entlang der Städte Budweis, Pilsen und Karlsbad.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 5. Mai 1945 begann der Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht und Weltkriegsende war der 8. Mai 1945. Am 9. Mai 1945 marschierten sowjetische Truppen in Prag ein. Präsident Beneš übernahm wieder die Regierungsgewalt. Zur Wiederherstellung des Staates wurden die Beneš-Dekrete erlassen. Neben gewöhnlichen Verwaltungsangelegenheiten regelten diese auch die Bestrafung, Vermögensenteignung und Ausbürgerung der als „Staatsfeinde“ angesehenen Deutschen und Ungarn.

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